Die Kette
Geschmiedetes Eisen mit Manschetten aus Fischhaut, fest in den Ankerhallen
GILT FÜR: Festland. Auf Achais gibt es keine Ankerketten.
AUFBAU Geschmiedetes Eisen, an einer Bank oder einem Ring in der Wand befestigt. An den Enden Manschetten aus gegerbter Fischhaut, in Lagen genäht.
Die Kette ist kurz gehalten. Wer angelegt ist, hat die Hände zwischen den Knien und erreicht damit weder den eigenen Kopf noch einen Nachbarn.
WARUM FISCHHAUT Leder gibt es auf Talvenn nicht; es gibt kein Landtier, das eines hergäbe. Fischhaut wird im Feuchten weich statt spröde und lässt sich in Lagen nähen. Nach sechs Tagen ist ein Handgelenk darin wund, aber heil.
STAND UND AUSFÜHRUNG Fisch ist Reichtum, deshalb ist die Manschette ein Standesmerkmal.
Dick und nachgearbeitet — die Halle hält etwas auf sich. Dünn und rissig — das Gegenteil. Faserbänder, vor dem Riegel um die Gelenke gewickelt und danach weggeworfen — wer nichts hat. Lumpen — wer auch die nicht hat.
Eine Halle ganz ohne Manschetten ist nicht arm. Es ist eine, um die sich niemand mehr kümmert.
BEDIENUNG Angelegt wird selbst: erst links, dann rechts, mit dem Daumen zugedrückt. Geschlossen wird von aussen durch die Schliesser, die Türen und Riegel bedienen. Im Schliesserhaus legt der Letzte sich selbst an, vor allen.
ZWECK Nicht für sechs Tage Dauerbewachung. Wer in der Roten sitzt, ist gereizt und schläft schlecht, aber die meiste Zeit ansprechbar. Die Kette ist für die Viertelstunde da, in der ein Mensch nicht mehr er selbst ist. Das kommt in jeder Halle vor, aber nie bei allen.
OFFEN Wer stellt die Ketten her und wer bezahlt sie? Wie oft werden Manschetten erneuert, und wer entscheidet das? Was geschieht mit einer Halle, deren Ketten unbrauchbar geworden sind?