Talvenn

Drei Sonnen · ein Kalender · zwei Ufer
anmelden
blau
gelb
rot
Gelbring Wetterwechsel · Tag 1 von 3
von 630

Orte

Durn

Im Westen von Achaia. Förderung, Verarbeitung und Maschinenbau.

Art des Ortes
Stadtbezirk von Achaia

ÜBERSICHT

Durn ist die westliche Halbinsel von Achais. Der Bezirk umfasst rund 74 Quadratmeilen (220 km²) und zählt etwa 103.000 Einwohner. Hier wird das Achalith gefördert und verarbeitet, hier stehen die Kraftwerke, und hier wird fast alles hergestellt und instand gehalten, was auf Achais mit Achalith läuft. Damit ist Durn die industrielle Grundlage von Achaia.

Der Bezirk hat drei Küsten: die Achalithbucht im Südwesten, die Eisenbucht im Norden und die Kupferbucht im Südosten. Im Osten führt der Westwall nach Achaion. In der Mitte liegt der Tote See.

ACHALITH

Vor der Achalithbucht wird Achalith aus dem Meeresboden gefördert und über Pipelines an Land gepumpt. Dort stehen die Raffinerien. Ein Teil des Achaliths wird innerhalb Achaias verkauft, ein Teil in den Kraftwerken des Bezirks verbrannt, der Rest über weitere Pipelines abtransportiert.

Diese abführenden Pipelines enden an einer Pumpstation an der Küste, die Westend genannt wird. Die Anlage ist nicht versteckt und wird von der Stahl-Legion bewacht. Betrieben wird sie von wenigen Leuten, die nicht aus Durn stammen und in keiner Siedlung wohnen. Wohin das Achalith geht und wer es abnimmt, weiß niemand.

BESITZ UND HERRSCHAFT

Förderanlagen, Raffinerien, Kraftwerke, Verteilwerk, Pipelines und Westend sind unter den zwölf Hohen Häusern aufgeteilt. Bei den Förderfeldern gehören einzelne Anlagen jeweils einem Haus; an den wenigen großen Kraftwerken halten mehrere Häuser Anteile und teilen den Erlös entsprechend. Haus Durnis hält den ältesten Anteil und trägt den Namen des Bezirks.

Der Maschinenbau gehört nicht den Häusern. Werkstätten und Fabriken sind überwiegend selbständige Familienbetriebe, entstanden aus dem Handwerk. Einzelne gehören einem Haus oder haben es als Teilhaber, formal selbständig sind sie fast alle. Zusammengeschlossen sind sie in der Innung der Werke.

Die Innung ist zugleich die Verwaltung des Bezirks. Sie hat diese Aufgabe nie übertragen bekommen, sondern ist hineingewachsen. Sie regelte zuerst, was sonst niemand regeln wollte: Wege, Wasser, Löschwesen, Ausbildung, die Versorgung Verletzter. Die Häuser ließen es geschehen, weil es sie nichts kostete. Heute ist die Innung zuständig für Straßen und Bahnstrecken, Wasserversorgung, Spital, Akademie, Bauland und Meldewesen.

In den Anlagen der Häuser hat sie keine Befugnis. Dort gilt das Recht des Hauses, dem die Anlage gehört: Arbeitszeit, Lohn, Unterkunft, Strafen, Unfälle. Wo genau diese Grenze verläuft, ist eine der umstrittensten Fragen des Bezirks. Für die Werkstätten am Toten See gilt das nicht, denn sie gehören Bürgern, die selbst in der Innung sitzen, und unterstehen wie alles Übrige dem Bezirk.

ORDNUNG UND SCHUTZ

Durn hat weder Mauern noch Tore und lässt sich nicht wie Achaion verteidigen. Es ist ein offener Bezirk, dessen Anlagen über 74 Quadratmeilen verstreut liegen. Drei Kräfte teilen ihn unter sich auf.

Die Werkswachen stehen innerhalb der Anlagen. Jedes Haus bezahlt seine eigenen, verantwortlich sind sie nur ihm.

Die Stahl-Legion bewacht dieselben Anlagen von außen: Umfriedungen, Pipelines, Bahnverladung, Westend. Auch sie wird von den Häusern bezahlt. Sie hält keine Ordnung, sie wehrt ab. In Durnhag unterhält sie ihr Hauptquartier; im Bezirk stehen rund 4.000 Legionäre und etwa 700 zivile Angestellte, mehr als die Hälfte ihrer gesamten Stärke. Der Grund für diesen Aufwand ist einfach: Steht Durn still, gehen in Achaion die Lampen aus, die Bahn hält an, und die Kühlhäuser tauen auf.

Das Ordnungsamt der Innung ist für alles Übrige zuständig, also für Siedlungen, Straßen, Bahnstrecken, Häfen und die Werkstätten am Toten See. Es zählt drei- bis vierhundert Mann, ist schlecht ausgerüstet und knapp finanziert. Wer dort dient, hat es meist nicht in die Werke geschafft oder ist von dort entlassen worden. Sein Ansehen ist entsprechend gering.

Schwierig wird es am Rand. Ein Streit an einem Werkstor kann in alle drei Zuständigkeiten fallen. In der Praxis entscheidet, wer zuerst da ist und wie viele Leute er mitbringt, und das ist selten das Ordnungsamt.

INFRASTRUKTUR

Achalith ist in Durn im Überfluss vorhanden. Anders als in Achaion, wo der Anschluss ein Standesmerkmal ist, hat hier jedes Wohnhaus einen. Es treibt Öfen, Lampen, Maschinen und Lokomotiven. Nahe den Kraftwerken im Osten steht das Verteilwerk, von dem aus das Achalith in die Bezirke geht.

Wärme liefern die Kraftwerke in Durnhag. Der größere Teil geht unterirdisch nach Achaion; im Bezirk selbst ist nur Durnhag an das Fernwärmenetz angeschlossen. Die übrigen Siedlungen heizen selbst.

Die Kraftwerke liegen im Osten des Bezirks, nahe dem Westwall, und liefern Wärme. Der größere Teil geht unterirdisch nach Achaion; im Bezirk selbst ist nur Durnhag angeschlossen. Die übrigen Siedlungen heizen selbst."

Trinkwasser ist das eigentliche Problem des Bezirks. Der Tote See scheidet aus, oberirdische Zuflüsse gibt es nicht. Gewonnen wird das Wasser deshalb überwiegend durch Entsalzung, die mit der Abwärme der Kraftwerke und Raffinerien arbeitet. Was anderswo als Verlust abgeführt wird, versorgt in Durn die Bevölkerung.

Möglich ist das nur an zwei Stellen: bei Durnhafen an der Kupferbucht und an der östlichen Eisenbucht. Die Anlage in Durnhafen versorgt zusätzlich Seebek und Durnhag über Leitungen, die Anlage bei Eisenborn die dortige Siedlung. Schwarzbucht liegt von beiden am weitesten entfernt und hängt an einer Leitung von rund zwölf Meilen (20 km). Ergänzend gibt es Tiefbrunnen. Wasser kostet in Durn deutlich mehr als in Achaion, und die Versorgung des gesamten Bezirks hängt an zwei Anlagen.

Das Abwasser wird an zwei anderen Stellen ins Meer geleitet: bei Schwarzbucht in die Achalithbucht, wo ohnehin gefördert und raffiniert wird, und in der westlichen Eisenbucht, wo die Strömung es auf das offene Meer hinausträgt. Die östliche Eisenbucht bleibt frei, weil dort das Trinkwasser gewonnen wird und die Erntegebiete der Buchtherren liegen. Die Einleitstelle wurde seinerzeit zwischen Innung und Zunft abgestimmt. Eisenborn hat dadurch eine saubere und eine schmutzige Seite.

Eine Kläranlage wie in Achaion gibt es nicht. Solange in die Achalithbucht und die westliche Eisenbucht eingeleitet werden darf, hat die Innung den Bau nie ernsthaft erwogen; die Häuser hätten sich daran ohnehin nicht beteiligt.

Durnhag, Durnhafen und Seebek entwässern über Sammelleitungen entlang der Bahntrassen, die wegen der Entfernungen eigene Pumpwerke benötigen. Gebaut und bezahlt hat sie die Innung allein.

Straßen und Bahnstrecken verbinden die fünf Siedlungen. Die Bahn trägt vor allem Güter: Erz von Eisenborn zu den Werkstätten, Maschinen zum Hafen, Achalith und Fertigware zum Westwall. Parallel dazu führen Straßen für Achalith-Karren. Da die Strecken sowohl durch Anlagen der Häuser als auch durch Bezirksgebiet laufen, ist die Zuständigkeit für einzelne Abschnitte regelmäßig strittig.

Elektrizität gibt es wie überall auf Achais nur als Einzelanlage. In Durn sind das mehr als anderswo: Das Bezirksspital, die Mechanische Akademie, das Hauptquartier der Legion und die größeren Werkstätten unterhalten eigene Generatoren. Auch die Kraftwerke erzeugen keinen Strom.

METALL UND MASCHINENBAU

An der Eisenbucht wird Erz gewonnen und verhüttet. Dort stehen Gießerei, Walzwerk und Schmieden.

Am Toten See liegen die Werkstätten und Fabriken. Hier entstehen und werden repariert: Pumpen, Kessel, Bohranlagen, Achalith-Karren, Lokomotiven, Waffen und Ersatzteile aller Art. Was auf Achais mit Achalith angetrieben wird, kommt in der Regel von hier. Abseits der Siedlungen liegt das Prüfgelände, auf dem neue und überholte Maschinen unter Last laufen, bevor sie ausgeliefert werden.

Die Ingenieure Durns beherrschen diese Technik vollständig. Sie warten jede vorhandene Anlage, bauen sie nach und verbessern sie im Kleinen. Was sie nicht können, ist etwas grundsätzlich Neues entwickeln, denn dafür fehlen ihnen die Grundlagen. Ein Großteil der Technik für Förderung, Raffinierung und Transport stammt ursprünglich von den Technokraten und muss dort gekauft werden.

HAFEN UND WERFTEN

An der Kupferbucht liegt der Hafen. Dort stehen zwei getrennte Werften: die Große Werft, die Förderplattformen, Versorgungsboote und Schlepper baut, und die Gildewerft der Schiffergilde, die Küstenfahrer baut. Dazu kommen Liegeplätze, Lager und Kontore.

Die Schiffergilde beschäftigt in Durn rund 2.300 Menschen. Ein Teil ihrer Besatzungen hat hier seinen Heimathafen.

DER TOTE SEE

Der See in der Mitte des Bezirks war bereits tot, als die ersten Menschen nach Achais kamen. Warum, hat nie jemand herausgefunden, und es hat auch nie jemand ernsthaft untersucht. Man baute die Werkstätten an sein Ufer, gerade weil dort nichts zu verderben war. Seither leiten die Werkstätten dort ein, was bei der Arbeit anfällt: Kühlwasser, Öle, Metallabrieb, gebrauchte Beizen. Das Wasser ist heute schlechter als damals.

SIEDLUNGEN

Durn hat keine geschlossene Stadt, sondern fünf Siedlungen an ihren jeweiligen Anlagen. Sie liegen vier bis sieben Meilen (7 bis 12 km) auseinander und sind durch Bahnstrecken verbunden. Mit der Bahn ist jede in etwa einer Viertelstunde erreichbar.

  • Durnhag am Westwall ist der Hauptort. Hier liegen die Verwaltung, das Bezirksspital Durn, die Mechanische Akademie, der Markt und das Hauptquartier der Stahl-Legion, dazu die Kraftwerke und das Verteilwerk. Rund 30.000 Einwohner.
  • Schwarzbucht an der Achalithbucht bei den Raffinerien. Die härteste Arbeit des Bezirks, die schlechteste Luft, das teuerste Wasser. Rund 20.000.
  • Eisenborn an der Eisenbucht bei den Hütten. Feuerschein auch nachts. Rund 15.000.
  • Durnhafen an der Kupferbucht mit Hafen und Werften. Der zivilste Ort des Bezirks, weil hier Fremde ankommen. Rund 18.000.
  • Seebek am Toten See bei den Werkstätten. Überwiegend Facharbeiter, Ingenieure und die Besitzerfamilien, ruhiger und wohlhabender als der Rest. Rund 20.000.

Die Wohnhäuser sind schlicht und zweckmäßig und stehen nahe an den Anlagen. Jede Siedlung hat eigene Läden, Schänken, Arztstuben, Bäder und Kantinen. Zwischen den Siedlungen liegt Land, das nicht genutzt wird.

BEVÖLKERUNG

Von den rund 100.000 Einwohnern des Bezirks stehen etwa 45.000 in bezahlter Arbeit: rund 23.000 in Förderung, Raffinerien, Kraftwerken, Hütten, Werkstätten, Werften, Hafen und Instandhaltung, rund 15.000 in Handel, Gastgewerbe, Schulen, Pflege, Kontoren und Hauswirtschaft, der Rest bei Schiffergilde, Stahl-Legion und Ordnungsamt. Die übrigen Einwohner sind Kinder, Alte, Arbeitsunfähige und Erwachsene, die einen Haushalt führen.

Die Gesellschaft Durns kennt weder Adel wie Achaion noch eine verarmte Unterschicht wie Forlyn. Die Trennlinie verläuft nicht nach Ausbildung, sondern nach Besitz.

  • Die Besitzenden: Familien, denen Werkstätten und Fabriken gehören. Die wohlhabendste Schicht des Bezirks, sitzt in der Innung, wohnt überwiegend in Seebek.
  • Angestellte mit Rang: Ingenieure, Meister, Kontoristen, Verwaltungsleute, Ärzte, Lehrende der Akademie. Sie verdienen gut und stehen dennoch unter jemandem, der eine Werkstatt geerbt hat.
  • Facharbeiter: die große Mehrheit.
  • Einfache Arbeiter: ungelernt, an den gefährlichsten Stellen.

Die Arbeit ist gefährlich. Es wird mit Hochdruck, Hitze und giftigen Stoffen umgegangen, und es gibt täglich Verletzte. Das Bezirksspital Durn, im Volksmund Spital oder Leichenbude, ist das einzige Haus auf Achais mit einer eigenen Unfallchirurgie. Jede Anlage unterhält zudem eine Werksfeuerwehr, da Achalith brennt.

Anders als in Achaion leben in Durn fast ausschließlich freie Menschen. Nur in den Anlagen der Hohen Häuser mag es die ein oder andere strafversetzte Dienerin oder Huri geben.

ROLLENBILDER

Die Gesellschaft in Durn ist männerdominiert. Wer hier etwas gilt, gilt es durch seine Arbeit an den Anlagen, durch sein Handwerk oder weil ihm eine Werkstatt gehört. Und das sind fast immer Männer. Ein Sohn erbt den Betrieb. Er wird an der Akademie empfohlen, bekommt die Lehre oder das Studium. Mit der Arbeit bekommt er auch eine Werkswohnung. Sein Ansehen hängt also daran, dass er arbeiten kann. Weil in Durn viele Unfälle passieren, ist das nicht sicher: Wer nach einer Verletzung nicht mehr an die Maschine zurückkann, verliert nicht nur den Lohn, sondern auch seine Stellung im Werk und zu Hause.

In Durn gibt es keine Unfreiheit und keinen Adel, der Sklavinnen hält.Frauen sind hier rechtlich frei und verdienen in der Regel ihr eigenes Geld. Das unterscheidet den Bezirk deutlich von Achaion.

Die Arbeit in den Werken selbst ist Männersache. Hitze, Hochdruck, Gewicht und Schichtbetrieb gelten als ungeeignet für Frauen, und entsprechend arbeiten sie kaum in Förderung, Hütten oder Raffinerien. Alles andere aber wird von ihnen getragen: Kontore, Buchhaltung, Disposition, Meldewesen, Krankenpflege, Läden, Kantinen, Wäschereien und Schulen. Eine Kontoristin in Durnhafen hat einen erlernten Beruf und ein eigenes Auskommen.

Nach oben führt dieser Weg selten. Die Mechanische Akademie verbietet Frauen die Aufnahme nicht, doch aufgenommen wird, wer empfohlen wird, und empfohlen werden Söhne. Ingenieurinnen gibt es fast keine, Technikerinnen wenige, in Buchhaltung und Verwaltung dagegen viele.

Werkstätten werden an den Sohn vererbt. Ist keiner vorhanden, erbt die Witwe oder die Tochter, und es wird erwartet, dass sie heiratet und der Mann den Betrieb übernimmt. Nicht alle tun das. Ein paar Betriebe des Bezirks gehören daher tatsächlich Frauen; sie haben Sitz und Stimme in der Innung, weil ihnen das nicht verwehrt werden kann, ohne den Besitz selbst infrage zu stellen. Zugehört wird ihnen weniger.

Am härtesten trifft es die Witwen. Bei der Zahl der Unfälle gibt es davon nicht wenige. Die Innung unterhält eine Kasse, doch sie gilt nur für die Beschäftigten der Werkstätten und Fabriken, nicht für die Anlagen der Hohen Häuser. Ein tödlicher Unfall auf einer Anlage ist Sache des Hauses, aber das Haus sieht keine Verpflichtung und zahlt einer Witwe nichts. Wer also den Mann in einer Anlage eines Hauses verliert, verliert das Einkommen und zumeist auch die Werkswohnung. Es bleiben Arbeit in Küche, Wäscherei oder Laden, eine rasche zweite Heirat, der Weg in die Prostitution oder der Gang nach Sorana.

BILDUNG

Die Mechanische Akademie in Durnhag wird von der Innung der Werke getragen und bildet Ingenieure und Techniker aus. Der Zugang ist beschränkt, aufgenommen wird, wer empfohlen oder gefördert wird. Ausgebildet wird gründlich in allem Bestehenden. Geforscht wird nicht.

Geändert 02.09.2026 20:19 von Jon